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Bericht über Fernando Paiva und sein Video "Child´s Play" Wohldurchdarchte Botschaften, versteckt hinter schlicht wirkenden Bildern und Worten: für das Denken des 35jährigen Brasilianers scheint dies durchaus charakteristisch. Was man schnell bemerkt, wenn man sich mit ihm über sein soeben fertiggestelltes, eigenproduziertes Video "Child´s Play" unterhält. Es ist Paivas erste eigene Veröffentlichung, dazu geeignet, ihn aus dem langen Schatten Alegre Correas treten zu lassen, mit dem er 1988 nach Österreich kam, und dessen Band er, mittlerweile vielbeschäftiger Schlagzeuger der Wiener Szene, seither konstant angehört. "Child´s Play" ist
wieder so ein Wort: "Kinderspiel" ist eine vorschnelle Übersetzung,
der Titel steht vielmehr für so was wie "spielerische
Kindheit". Diese steht zu einen für fließende Leichtigkeit,
Lockerheit, mit der auch komplexe musikalische Strukturen über die Bühne
gebracht werden sollten; zum andere zu eine natürlichen musikalischen
Zugang, der von Phantasie, Offenheit, Neugierde geprägt ist. Und schließlich
ist damit auch jene holistische musikalische Welterfahrung gemeint, die
das Video wie ein roter Faden durchzieht: Alles ist Musik, kokreter: alles
kann Musik werden, wenn man sich der Materie nur entsprechende unbekümmert
und kreativ Die herrliche Einstiegssequenz spricht Bände: Eine mit Geschirr gefüllte Abwasch, in der zwei Hände eher unwillig ihr Werk verrichten. Eine Gabel wird plötzlich aufgenommen und an ein Teller geschlagen, einmal, zweimal, dreimal, wie um den Klang zu testen. Das Resultat scheint befriedigend: In Folgenden entspinnt sich eine ganze Percussion-Show , in die Teller, Pfannen, Töpfe und das angrenzende Immobiliar einbezogen werden - ein herzfrischend musikantisches Erlebnis. Mit Fortsetzung: Im Zuge des Videos bearbeitet Paiva, der auch Solo-Konzerte gibt, weitere Kochtöpfe (wie eine Tabla!), Fußboden, Holzsessel und - besonderes fulminant-seinen eigene Körper, dessen Oberschenkel und Fußsohlen ein ganzes Drum-Set zu ersetzen scheinen. Und natürlich auch Trommeln: Paiva mit Klaus Gesing (Sopranosaxophon, Flöte), Reinhard Micko (Piano) und Ivan Ruiz Machado (Bass) bestücktes Quartett lässt sich mit liebvoll und detailgenau ausgearbeiten Stücken Egberto Gismontis, Hermeto Pascoals und Heraldo Dumontes hören, die trotz teilweise bewegterem Gestus den Schlagzeuger als Lyriker und Melodiker outen. Gismontis "Palhaco" setz Paiva - der Bedeutung des Tiltel entsprechend - mit Bildern aus der Zirkusarena in Beziehung: Clowns, die für ihn keine bloßen Spaßmacher sind, sondern vielmehr Existenzialisten, die den ganzen Kosmos der Gefühle, trauriger wie freudiger Art, in sich tragen. Auch
Homage an die Heimat fehlen nicht: Fernando Paiva wurde in Porto Alegre
geboren, der Haupstadt des südbrasilianischen Bundesstaates Rio Grande do
Sul, der von Viehzucht, den Pampa und den "südamerikanischen
Cowboys", den Gauchos geprägt wird. Ein für diese Region typischer
Bolhadeira -Tänzer tritt zu einer fulminanten Performance mit dem
gleichnamigen, Lasso-ähnlichen Seil an, dessen an den Enden befestigte
Kugeln in komplexen Rhythmen auf den Boden schlagen ("Os
Gauchos"); ein Emsemble von Pifano-Flötenspielern in alten französichen
Uniformen aus Caruaru in Pernambuco ist zu sehen ("Os Pifanos"),
und Hermeto Pascoals "Santa Catarina", in ein stark an
"Weather Report" erinnender Arrangement eingekleidet,
illustrieren Aufnahmen von den Es blebt zu hoffen,dass
Fernando Paivas von indianischen, spanischen und afroamerikanischen Einflüssen
geprägten musikalischen Ideen in Zukunft auch auf den Konzertbühnen
stärker präsent sein werden.
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